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Vom Like-Button und der mangelnden Resonanz

Bekanntermaßen enthält jedes neue Medium Inhalte der alten. Ebenso verstand die breite Masse anfänglich das Internet lediglich als schnellere Verlängerung der postalischen Kommunikation. Bekannte Strukturen wurden also einfach kopiert und übertragen. Nach etwa 15 Jahren als Massenmedium entwickeln sich die digitalen Angebote, sowie unsere Vorstellung von digitaler Kommunikation weiter.

Die Verbindungen zwischen Sendekanal und Rückkanal haben zusätzliche Knotenpunkte bekommen, weit mehr als zwei Teilnehmer eines Kommunikationsflusses werden heutzutage nicht nur adressiert, sondern auch zur Reaktion angeregt. Für die verschiedenen neuen Plattformen wie Foren, Chats, Blogs haben sich spezielle Richtlinien herausgebildet, um an diesen Plattformen sozial partizipieren zu können. Das Ziel dabei ist meist die Qualität der Inhalte zu maximieren und für eine größtmögliche Gruppe nutzbar zu machen. So liest man in Foren erschreckend häufig redundante Fragen, welche sich dem Nutzer durch die einfache Nutzung der Suchfunktion bereits beantwortet hätten. Ebenso verärgert reagieren auf derartige Fragen meist andere User.

In sozialen Netzwerken hat sich bis heute noch keine einheitliche, oder zumindest harmonisierte Gesprächskultur herausgestellt. Das Broadcasting, also das Senden von Inhalten / Nachrichten an viele Nutzer, ohne Reaktionen, Kommentare zu generieren gehört zum Alltag. Dabei entspricht ein solches Kommunikationsprinzip überhaupt nicht den Stärken sozialer Netzwerke. Doch mit welchem Ziel senden User derart irrelevante Informationen an die ganze Welt?

Exkurs: Niklas Luhmann ist Systemtheoretiker und betrachtet Kommunikation als selbsterhaltendes System. Luhmann begreift Kommunikation auch als unwahrscheinlich. Zur Reduktion der Unwahrscheinlichkeit gibt es also auch unsere Medien. Wird auf eine Mitteilung nicht mehr reagiert, so löst sich das System aus Verstehen, Information und Mitteilung auf. Eine höhere Form der psychischen und sozialen Bewusstseinserkenntnis über entsprechende Information wird nicht möglich.

Auf Facebook sind die meisten kurzen Mitteilungen häufig nicht eingebettet in einen erkennbaren Sinnzusammenhang oder soziale Relevanz. Für viele User endet also hier die Kommunikation, da absolut kein Sinn, häufig nicht mal die Möglichkeit zur Reaktion / zum Kommentar besteht. Die Kommunikation endet, da der Antwortkanal nicht genutzt wird.

Diese Form der Kommunikation dient meiner Ansicht nach häufig nur der Selbstdarstellung. Das eigene Selbstbild wird in undifferenzierter Form als Broadcast gesendet. Erstaunlich ist wie wenig Usern auffällt, dass ihre Nachrichten keine Reaktion hervorrufen. Ihre Mitteilungen scheinen also wirklich eher nach innen gerichtet zu sein.

Zweifler hingegen würden ihre Mitteilungen überdenken und ihre Kommunikation anpassen oder gar einschränken. Letztere Möglichkeit muss Plattformen wie Facebook jedoch große Angst machen, da die Summe der Zeit, welche die User für unsinnige Mitteilungen aufwenden, bares Geld im Werbemarkt bedeutet. Der Erkenntnis, dass die eigenen Nachrichten für viele Menschen keine Bedeutung haben, schieben die Plattformbetreiber einen kleinen Riegel vor.

Hierfür führt Facebook den Like-Button / Gefällt mir Button ein. Nun können Nutzer auf einfachste Weise auf Posts reagieren, auf die sie andernfalls mit keiner einzigen Zeile Text reagiert hätten. Erstaunlicherweise ist dieses Tool jedoch nicht nur für die Adressaten, sondern mehr noch für den Sender der Ursprungsnachricht selber gedacht. Die Verlängerung des Kommunikationsstranges um die minimale Einheit des Like-Buttons führt bei dem Sender zu dem Gefühl seine meist selbstbezogenen Nachrichten wären für andere von Interesse. Dabei sagt der Like-Button nichts über die Motivation aus, dieses Feature zu verwenden. Ebenso wenig differenziert wie die meisten solcher Meldungen sind, ist auch die Aussagekraft des Like-Buttons. Dennoch scheint sich der Sender in seinem Selbstbild und seiner Intention zur Nachricht bestätigt.

Ärgerlich ist weiterhin wie wenig solche kurzen und genau genommen nicht auf weitere Kommunikation ausgelegte Nachrichten zu dem digitalen Medium passen. Das Internet zeichnet sich doch gerade durch den integrierten Rückkanal aus, durch die Möglichkeit viele Personen in einem einzigen Kommunikationsstrom zu verbinden, um einen größtmöglich differenziertes und demokratisches Kommunikationssystem zu ermöglichen.

Wie also könnte eine neue Form der Kommunikation aussehen, welche der Dynamik und Struktur des Mediums Rechenschaft trägt? Die erste Frage welche sich jeder stellen sollte ist sicherlich wie resonanzfähig meine angestrebte Nachricht ist. Gibt es also eine Möglichkeit für die Adressaten angemessen auf meine Nachricht zu reagieren. Dies ist sicherlich abhängig davon in welchen persönlichen Verhältnis Sender und Empfänger zu einander stehen. Gibt es überhaupt eine Gruppe von Menschen für die meine Nachricht relevant ist? Wer hat welchen Nutzen von meiner Mitteilung?

Nach meiner Ansicht sollten Mitteilungen immer zur Verlängerung von Kommunikation beitragen. Auch die Aufteilung der eigenen Kontakte in verschiedene Gruppen könnte vielen Usern einen ersten Eindruck von der eigenen kommunikativen Einordnung geben, um Inhalte präziser an entsprechende Gruppen anzupassen. Auch dem Datenschutz würde damit stärker entsprochen.
Sicherlich stellt sich die Frage weshalb man selber solche „unsinnigen“ Inhalte z.B. auf Facebook nicht einfach ausblendet. Die Antwort verhält sich ähnlich zum Kinobesuch. Bevor ich einen Film bewerten / beurteilen kann muss ich ihn sehen. Eine Mitteilung muss ich vorher lesen, womit es keine Möglichkeit der Selektion von interessanten und uninteressanten Mitteilungen vorab gibt. Ich kann höchstens alle Mitteilungen eines Nutzers ausblenden, seinen kompletten Tweet nicht abonnieren, seinen Blog nicht lesen. Ich könnte auch nie wieder ins Kino gehen. Damit würde der ignorierte Nutzer ggf. aus Netzteilen herausfallen, die er eigentlich doch erreichen möchte. Damit ist jeder User für die Qualität und Relevanz seiner Mitteilungen selber verantwortlich und sollte von seiner Fähigkeit Relevanz von Crap zu unterscheiden auch Gebrauch machen.

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