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Im MediaDecoder Blog fasst Stephanie Clifford einige User-Kommentare zu ihrem vorherigen Artikel zusammen. In diesem beschreibt sie die Veränderungen im Bereich der professionellen und amateurhaften Fotographie:

Die technische Entwicklung besonders von Digitalkameras macht es also vielen Durchschnittsbürgern möglich ein technisch sauberes Bild zu erzeugen. Wie im Beispiel angeführt verdient eine Dame sogar etwas Geld, mit der Lizensierung ihrer Fotos. Professionelle Fotojournalisten hingegen müssen zunehmend mit der breiten Masse konkurrieren. Magazine kaufen zunehmend bestehendes Fotomaterial, als es von einem ausgebildeten Fotografen schießen zu lassen.

Schön und gut, denn ärgern werden sich nur die unflexiblen Zeitgeister, wie man sie in den Kommentaren von Cliffords Artikel nachlesen kann.

Diese Dynamik ist uns bekannt, aus jeder medialen Umschwungsphase. Die Technik zur Herstellung bestimmter Güter wird demokratisiert, also für die breite Masse bezahlbar und anwendbar. Weder ein großer Geldbeutel, noch eine jahrelange Ausbildung ist nötig um die neuen Geräte / Medien nutzen zu können. Ihr merkt dass ich diese Dynamik immer wieder aufgreife. Gleiches haben wir bereits bei dem Umschwung von der Malerei zur Fotographie, von der Fotographie zum Film und vom Film zum Video erlebt. Die Digitalisierung ist jedoch in sofern besonders, da sie die Entwicklung nicht nur weiterführt, sondern alle bereits vorhandenen Medien in eine gleiche Sprache übersetzte, die digitale.

Es ist wieder die Zeit der Entdecker, der Gründer, der seltsam anmutenden Menschen, die sich für kein Gedankenspiel zu schade sind, es weiterhin gar ausprobieren. Dies genau ist der Unterschied zu den vielen weinerlichen Stimmen, die sich in ihrem Kulturpessismus suhlen und dabei die Chance verpassen, die sich doch gerade in Form ihrer Trauer um alte Zeiten laut und deutlich anspricht: Werde aktiv, bewege dich zu anderen Ufern.

Sicherlich sind diese Worte einfacher geschrieben als für viele umgesetzt. Innere Flexibilität gehört halt ebenso zur Sprache des Spiels. Gleiches gilt in ähnlicher Form auch für den Film. Ständig höre ich meine Kollegen jammern über den Verfall der Filmsprache, über den Verlust von geistiger Größe des Mediums Film. Gepaart sind derartige Phrasen meist mit der Begierde grundsätzlich auf Celluloid drehen zu müssen. Als ob nur im 35mm-Material die Erlösung von allem Übel läge und der Digitalfilm einen diabolischen Kern besäße. Auch die Rolle des Kinos wird von vielen noch verglichen mit Bildern des Lagerfeuers und dem andächtigen Geschichtenerzähler. Viele dieser staubigen Sätze bringen mich durch ihrem starren Anachronismus bald zum husten, nach frischer Luft, nach Neuerung. Glaubt denn wirklich jemand ein Medium hätte nur eine einzig wahre Bestimmung? Wie aber kommt es dass so viele daran festhalten?

Angst mit den Veränderungen nicht mithalten zu können? Furcht vor Neuanfang, alle hart erarbeiteten Grundfeste des Lebens wieder auf die Probe zu stellen? Gerade von den alten Hasen des Geschäfts würde man dies erwarten, doch stimmt diese Vermutung nicht mit der Realität überein. Anspruchsvolle Filmemacher wie auch Fotographen mussten sich immer wieder auf eine neue Geschichte einlassen, sie neuartig erzählen, anders, frisch. Wer diese Herausforderung gemeistert hat wird nun nicht an der digitalen Zukunft scheitern.

Erstaunlich regelmäßig begenen mir jedoch andere Filmstudenten, von denen ein Großteil an einer absurden Idee von Kino und Filmemachen festhält. Schnell wird der Vergleich zu Youtube gezogen um den Verfall eines stolz anmutenden Filmtheaters negativ zu umreißen. Weder selbstreflektiv noch realitätsbezogen werden Meinungen gegen jeden gesunden Menschenverstand aufrecht erhalten. Vielleicht haben auch gerade jüngere Menschen am meisten Angst vor Veränderung, da sie durch ihr technisches Grundverständnis glauben das Ausmaß der Veränderung einschätzen zu können.

Frederic Neema bennent in Cliffords Interview derariges Verhalten: „The Stupidity of Hope“, wir würden sagen: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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