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(c) Ged Carroll

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Youtube erweitert sein Angebot. Neben dem bekannten Dienst will der Streaming-Anbieter nun auch Kinofilme auf sein Portal bringen. Etliche Streifen sind kostenlos zu sehen, andere möchte Youtube in einer neuen kostenpflichtigen Kategorie anbieten. Auch über MyVideo.de wird berichtet, dass über Werbung finanzierte Spielfilme kostenlos zum Streaming angeboten werden sollen. Etliche sind auch hier bereits online. Wer profitiert wirklich?

Für die DVD-Branche ist diese Nachricht sicherlich der letzte Wink mit dem Zaunpfahl, den Fortbestand ihres Angebots und ihrer Märkte zu überdenken. Den Kunden freut es. Viele haben sich an werbefinanzierte Angebote ja bereits gewöhnt, mehr noch: Vielen Usern ist es niemals in den Sinn gekommen für Medienangebote im Netz zu zahlen. Daher scheint der Weg für werbefinanzierte Kinofilme im Netz weniger steinig, als das kostenpflichtige Angebot von Youtube. Dennoch müssen die Inhalte noch genauer differenziert werden. Die von Youtube und Myvideo gekauften Rechte beziehen sich auf schon recht alte Filme. Neue Streifen wären über die erwarteten Werbeeinnahmen sicherlich nicht zu finanzieren. An dieser Stelle kommen die kostenpflichtigen Angebote ins Spiel. Anscheinend haben die Majors nun den Netz-Markt auch für ihre Longtail-Auswertung erkannt (alte Filme). Mit einhergehender Reduktion der Auswertungszeit pro Kanal, erhoffen sich die Majors also ihren finanziellen Rückfluss auch über Bezahlangebote im Netz schneller einfahren zu können.

(c) Stephan Barth

(c) Stephan Barth

Fraglich bleibt hingegen, ob sich die Kosten-Erlösmodelle der Anbeiter (werbefinanziert oder kostenpflichtig) auch in Zuknft tragen werden. Derartige werbefinanzierte Angebote haben für mich den faden Beigeschmack romatischer New-Economy-Zeiten. Alles bleibt kostenlos? Die Plattformen investieren natürlich in den Kauf der Streamingrechte, in Aussicht Kunden binden und in Zukunft auch mit anderer Werbung versorgen zu können. Die kritische Schwelle ist imho noch nicht erreicht, ab der die Anbieter den Kostenblock der Streaming-Rechte komplett über Werbung finanzieren können. Natürlich ist eine Querfinanzierung aus anderen Geschäftszweigen möglich. So ist es für Google kein Problem auch über längere finanzielle Durststrecken Youtube zu finanzieren, um andere Anbieter hinter sich zu lassen.

Doch können sich in Zukunft auch enorm teure Filmproduktionen über Werbung teilfinanzieren lassen? Dies ist zum einen sicherlich davon abhängig wieviel der Kunde auch im Netz für qualitative Produktionen zahlen möchte, oder  zum anderen wie viele Unique Visitors eine Plattform generieren kann, um weiterhin werbefinanziert arbeiten zu können. Hier entsteht schon die nächste Herausforderung. Der Werbemarkt im Internet steigt, so dass viele Anbieter in diesen Markt strömen. Viele davon sind nicht in der Lage die nötigen Preise zu zahlen, um hochqualitativen Inhalt produzieren zu können. Die Produzenten müssten demnach darauf hoffen, dass sich einige wenige Plattformen wie Youtube der MyVideo herausbilden, die über ihre enorme Reichweite auch die finazielle Stärke haben, um entsprechende Rechte kaufen zu können. Je weniger Anbieter es gibt, umso größer ist jedoch auch die Abhängigkeit der Produzenten von genau diesen Erlöskanälen. Ein Dilemma?

Auf ersten Blick scheinen sich diese gegensätzlichen Faktoren nicht lösen zu lassen. Das Internet hat jedoch die Stärke bewiesen, innerhalb kurzer Zeit die großen Player durch pfiffige Geschäftsideen unter Druck setzen zu können. Bei einigen Verbänden deutscher Filmproduzenten habe ich angefragt, welche Strategien ihre Mitglieder verfolgen. So wie ich den deutschen Markt kenne werden die Antworten wenig spektakulär ausfallen, doch bis dahin bleibt es spannend.

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