Vor kurzem bin ich aufmerksam geworden auf ein digitales Tool zur Filmanalyse. Es ist der Versuch einen einzigartigen Fingerabdruck von Filmen unter verschiedensten Aspekten zu synthetisieren und diesen in einer einzigen Grafik darzustellen. Also was kann Cinematrics nun genau?

Die Erklärung der speziellen Algorithmen der Software würde hier zu weit führen, daher ein schneller Überblick: Das Tool benötigt den Film als DVD. Hier greift Cinematrics auf verschiedene Daten zu wie

  • Video
  • Audio
  • Untertitel
  • Metadaten / Kapitel

Cinematrics filtert aus den Videodaten z.B. die Bildschnitte, generiert eine Farbpalette der einzelnen Szenen und überprüft wie viel Bewegung die einzelnen Szenen aufweisen. Audiodaten werden analysiert um Lautstärken und Dialog zu analysieren.

Aus diesen Informationen generiert Cinematrics ineinander gelegte Kreise. Jeder Kreis steht für eine spezielle Analyse-Ebene. Die Kreise werden eingeteilt in einzelne Szenen. Diese Kreisstücke werden entsprechend der Szenenfarbpalette eingefärbt und entsprechende der Bewegung in der Szene nach außen und innen verschoben. Wenig Bewegung im Film ergibt einen fast Runden Kreis. Viele und schnelle Bewegungen im Film ergeben einen Kreis aus dem viele einzelne Szenenabschnitte heraus stehen.

Gemeinsam ergeben diese Kreise nun einen für jeden Film einzigartigen Fingerabdruck, der direkt mit anderen verglichen werden kann.

Hier sehen wir einen Vergleich zwischen „Quantum of Solace“ (LINKS) und „Simpson – the movie“ (RECHTS).

Cinematrics - Quantum of Solace    Cinematrics - Simpsons

Offensichtlich sind die Unterschiede in Bewegung und Farblichkeit der Filme. Das Tool zeigt uns also was wir eigentlich schon wissen. Außnahme bilden die Zuschauer, die beide Filme nicht kennen. Wäre für diese ein solches denn Tool hilfreich?

Hier stellt sich die zentrale Frage wie viel uns dieses Tool wirklich über den Film verrät! Gemessen an den Farben des Simpsons-Fingerabdrucks könnte man fast auf einen Comic schließen, doch kommen diese Farben wirklich dem Eindruck beim Ansehen des Filmes nahe? Digital-Wissenschaftlich ja, intuitiv nein.

Die kristallartige Anmutung des Fingerabdrucks von „Quantum of Solace“ lässt auf einen Action schließen. Doch hier hört die Tiefe der Interpretationsfähigkeit auch schon auf. Möglicherweise würden sich einige Filmproduzenten über das Tool freuen um die Film vor Freigabe und Kinostart zu analysieren, um ggf. Änderungen vornehmen zu können. Nur nach welchen Parametern sollte dies geschehen? Am Ende sind es doch wieder Fragen der Bildästhetik, der Dramaturgie, des Stils, der Form etc. die über einen Film entscheiden. So schön das Tool anfänglich auch anmuten mag, so wenig verrät es mir am Ende wirklich etwas neues.

Wofür würdet ihr das Tool einsetzen? Welche Fragen könntet ihr damit beantworten? Ich bin gespannt auf eure Einsatzmöglichkeiten.

http://cinemetrics.fredericbrodbeck.de/

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